Illustration der Kirche von Donnerskirchen vor Hügeln
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Mercosur: mehr Handel, mehr Druck auf Landwirtschaft und auch Klima

Wenn in Europa über das Mercosur-Abkommen diskutiert wird, geht es längst nicht mehr nur um Zölle. Es geht um die Frage, wie wir uns wirtschaftlich und geopolitisch aufstellen und ob wir es schaffen, Handel, Klimaschutz und faire Standards tatsächlich zusammenzubringen.

Mercosur steht für einen südamerikanischen Wirtschaftsraum, Mitglieder sind unter anderem Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Das Abkommen mit der EU soll Handel erleichtern, Barrieren abbauen und für Unternehmen auf beiden Seiten neue Märkte eröffnen. Für die EU ist das eine strategischen Option in einer Welt, die immer stärker von Machtblöcken geprägt wird.

Weniger Abhängigkeit von den USA und China

Europa spürt seit Jahren, wie riskant einseitige Handelsbeziehungen sind: bei Energie durch Russland, aber auch bei Rohstoffen, Elektronik und Medikamenten durch China. In diesem Kontext wird Mercosur oft als neues Standbein gesehen. Zusätzliche Handelspartner, mehr wirtschaftlicher Raum und im Idealfall mehr Versorgungssicherheit bei bestimmten Rohstoffen und Produkten. Brasilien, fast ein Kontinent an sich, sticht dabei besonders hervor.

Für Österreich ist das grundsätzlich interessant: Unsere Industrie exportiert Maschinen, Anlagen und Spezialprodukte. Wo Märkte berechenbarer werden und Handelsbarrieren sinken, entstehen Chancen. Auch geopolitisch ist die Idee nachvollziehbar: Wer breiter aufgestellt ist, ist weniger verwund- und erpressbar.

Ein Vorteil für Europa insgesamt bedeutet jedoch nicht automatisch einen Vorteil für Österreich. Offener Handel bedeutet auch mehr Druck und der trifft bei uns besonders jene Bereiche, die kleinstrukturiert arbeiten und hohe Standards einhalten, nämlich unsere Landwirtschaft und Tierhaltung.

Noch mehr Druck auf Österreichs Landwirtschaft

Österreichs Landwirtschaft ist qualitätsorientiert, oft familiengeführt und arbeitet unter sehr strengen Umwelt- und Tierhaltungsauflagen. Genau das erwarten wir als Konsumenten und genau das macht die Produktion in der Regel teurer und aufwendiger als in vielen Regionen der Welt, wo Flächen größer, industrieller bewirtschaftet werden oder Auflagen anders, oder gar nicht umgesetzt sind.

Die Klimafrage

Klimapolitisch ist Mercosur ein Risiko. Der größte Hebel liegt nicht beim Transport per Schiff, sondern bei der Frage, was auf und mit Südamerikas gewaltigen Flächen passiert

Wenn die Nachfrage z.B. nach Rindfleisch und Futtermitteln steigt, kann auch der Druck auf das Land steigen. Wälder oder andere wertvolle Ökosysteme werden in Landwirtschaftsflächen umgewandelt. Das ist für das Klima doppelt schlecht. Es entstehen Emissionen und gleichzeitig verlieren wir CO₂ speichernde Wälder. Der Klimawandel ist global zu betrachten, nur weil es weit weg ist, heißt es nicht, dass es uns nicht betrifft.

Standards und Transparenz

Klimaschutz ist heute ohne Lieferkettentransparenz kaum denkbar. Wenn wir nicht nachvollziehen können, wo ein Produkt herkommt und unter welchen Bedingungen es erzeugt wurde, sind manche Versprechen schnell nur Marketing.

Bei Rindfleisch ist Rückverfolgbarkeit technisch möglich, aber sie muss flächendeckend umgesetzt, dokumentiert und vor allem unabhängig überprüfbar sein. Alleine die schiere Größe Brasiliens lässt keine zuverlässige Kontrolle durch Behörden zu. Außerdem gilt, je länger und komplexer die Lieferkette, desto mehr Stellen gibt es, an denen Informationen unvollständig werden können.

Das gilt nicht nur für Fleisch. Auch bei Rohstoffen wie z.B. Gold sieht man international wie herausfordernd es ist, Herkunft und Produktionsbedingungen lückenlos nachzuweisen. Kinderarbeit oder Sklaverei muss ausgeschlossen werden können. Es gibt Regeln und Systeme, aber in der Realität entscheidet oft die Kontrolle, ob Standards wirklich greifen.

Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: Mercosur wäre klima- aber auch agrarpolitisch deutlich leichter zu vertreten, wenn Europas Schutzinstrumente gleichzeitig stark, klar und wirksamer wären.

Die Entwaldungsverordnung (EUDR): Sie soll sicherstellen, dass bestimmte Produkte nur dann in der EU verkauft werden dürfen, wenn sie nicht mit Entwaldung verbunden sind und die Herkunft nachweisbar ist. Allerdings wurden hier Fristen verschoben.

Lieferketten-Regelwerk: Das Thema wurde zuletzt in Europa viel vereinfacht und zeitlich nach hinten verschoben. Das kann Unternehmen kurzfristig entlasten, reduziert aber auch den Druck, wirklich tief in die Lieferkette hineinzuschauen und verursacht eine weitere Schieflage zu Lasten der österreichischen Produktion und Landwirtschaft.

Experten sind der Meinung, dass für das Mercosur-Abkommen somit 2 wesentliche Sicherungen nicht, oder nicht ausreichend installiert sind.

Schafft es Europa, wirtschaftliche Strategie, Klimaziele und den Schutz regionaler Landwirtschaft gleichzeitig ernst zu nehmen, auch dann, wenn es politisch und wirtschaftlich unbequem wird?

Viele Grüße,
Adi Hütter

Adi Hütter

Adi Hütter

European Climate Pact Ambassador

Über den Autor

Adi Hütter ist Europäischer Klimapakt-Botschafter aus Donnerskirchen und engagiert sich ehrenamtlich für den Klimaschutz. Er informiert über nachhaltige Maßnahmen und setzt sich für die Ziele des Europäischen Green Deals ein.

EU-Klimabotschafter

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