Die heutige Pfarrkirche, geweiht im Jahr 1680, wurde auf den Grundfesten einer mittelalterlichen Kirche erbaut, an die heute lediglich eine kleine gotische Öffnung am äußeren Stiegenaufgang zur Orgel erinnert. Der barocke Bau thront weithin sichtbar auf einer bewehrten Terrasse hoch über dem Ort. Der Turm mit Zwiebelhelm tritt aus der westlichen Giebelfront hervor.
Die Errichtung der Kirche stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Altarbild auf dem Hochaltar zeigt die Himmelfahrt des Heiligen Martin.
Die Pfarrkirche von Donnerskirchen war ursprünglich leuchtend weiß gefärbt und stellte eine wichtige Landmarke für die Fischer am Neusiedler See dar. Erst bei der letzten Außenrenovierung der Martinskirche hat das Bundesdenkmalamt die Farbe Schönbrunngelb vorgeschrieben.
An die ursprüngliche Farbe der Kirche erinnern heute nur noch der kroatische ("Bijela Crikva") und der ungarische ("Fertö-Fejeregyház") Name der Ortschaft - auf deutsch übersetzt "Weißenkirche".
Geschichte Frühchristliche Kultstätte. Über die Errichtung der mittelalterlichen Pfarre ist nichts Sicheres bekannt. Theorie: Stephanspfarre (997-1038), darauf würde auch das Martinspatrozinium hindeuten - meist Indiz für eine sehr alte Pfarre. Erste urkundliche Erwähnung der Pfarre erst 1437.
Innenraum In der Visitation von 1659 wird die Pfarrkirche als sehr vernachlässigt bezeichnet. 1676 wird unter Pfarrer Johann HOLBRICH, einem Kroaten aus Klingenbach, der Neubau unternommen. Am 7. April 1680 erfolgte die Kirchenweihe durch Bischof Leopold Graf Kollonitz (Wr. Neustadt). Da dieser Tag der Passionssonntag war, wurde der "Kirtag" auf den 3. Sonntag nach Ostern verlegt.
1713: Lt. Visitationsberichten hat die Kirche unter den Türken stark gelitten. Neu ist damals der Hochaltar. Ein Seitenaltar ist der Himmelfahrt Mariens geweiht, der zweite Seitenaltar, ein Antoniusaltar, zeigt ein damals über 100 Jahre altes Marienbild. Die neuen Altäre wurden unter Pfarrer Franz WELSER (1700-1706) errichtet. Einwohnerzahl damals: 1350, darunter 500 (!) Kinder.
1739: Martinusstatue über dem Hauptportal (Geschenk von Andreas Suchentrunk; jetzt wieder in der ursprünglichen monochromen Fassung).
1748: Drei Glocken (A. Klein, Wien); eingeschmolzen im 1. Weltkrieg.
1768: Schrein mit dem Prager Jesulein (Oberleutnant Adam Biesching und Frau)
1770: Neue Kanzel; der Antoniusaltar wird in einen Kreuzaltar umgewandelt. Neuer Marienaltar, der das alte (angeblich um 1600 entstandene) Marienbild aufnimmt. Der heutige Innenraum präsentiert sich als einfacher, einheitlicher Barockbau mit einschiffigem Langhaus, Tonnengewölbe mit Stichkappen. Gemauerter Musikchor auf zwei toskanischen Säulen mit Arkaden auf das Schiff hin und mittlerer Rundbogen.
Hochaltar: Besteht aus einer Holzmensa mit geschweiftem Profil, Tabernakel mit aufsteigenden Steilvoluten an der Seite. Auf der Tabernakeltür Relief des Hl. Kelches. Im Aufsatz Gott im Strahlenkranz und adorierende Putti. Holzfiguren der Hll. Petrus und Paulus, Altarblatt: Himmelfahrt des hl. Martin (im Bischofsornat!), im Hintergrund die Mantelteilung. Holzfiguren der Hl. Anna und Josef im Presbyterium.
Rechter Seitenaltar: Kruzifixus aus Holz, am Fuß die hl. Maria Magdalena. Holzfiguren der Hll. Antonius und Theresia. Retabelbild: Hl. Andreas. Linker Seitenaltar: Altarbild Krönung Mariens; Holzfiguren der Hll. Sebastian und Rochus.
Kanzel: aus 1770; Engel mit den Evangelistensymbolen, kuppelförmiger Schalldeckel mit 2 Putti.
Orgel: Philip KÖNIG. 1911 nach Brand wiederhergestellt bzw. erweitert; 2 Manuale, Pedal.
Regelmässig Konzerte mit Toni Stricker ..
Dorfkirche
Ursprünglich eine zweite Kirche aus dem 16. Jhdt. - "Marienkirche" - neben der Bergkirche. Wird bereits 1713 nicht mehr erwähnt. Schon unter Pfarrer Franz FERSTL (1753-1763) entstand der Plan, im Ort selbst eine kleine Kirche für die Wochentagsgottesdienste zu errichten.
Ausgeführt als schlichter josephinischer Bau unter dessen Nachfolger, Andreas PAUER (1763-1790), der nach dem Tod der Fürstin Esterházy zu Fuß nach Wien wanderte, um vom Kaiser einen namhaften Geldbetrag für das Projekt zu erbitten, den er sich dann - wieder zu Fuß - von Budapest abholen mußte. Am 4. September 1781 wird der Grundstein gelegt, Weihe zum Hl. Johannes von Nepomuk erfolgte am 11. Oktober 1783. Sakristei: 1807. Gesamtrenovierung 1994 (Pläne: Arch. Josef PATZELT).
Kreuzweg Im Kreuz ist Heil - Im Kreuz ist Leben - Im Kreuz ist Hoffnung
Im Dezember 1992 wurde bei einer Pfarrgemeinderatssitzung der Gedanke geboren, am Donnerskirchner Kirchenberg (Hang) auf dem Weg zur Kirche, die dem Hl. Martin geweiht ist, einen Kreuzweg zu errichten. Einige, wesentliche und entscheidende Fragen waren ofen. Erstens: Mit welchem Material (Holz, Stein oder Metall) sollte dieser Kreuzweg ausgeführt werden? Die zweite Frage war, wie man dieses Vorhaben finanzieren könnte? Es wurde die Entscheidung getroffen, einen Kalkstein aus dem Leithaberg zu verwenden, der zu unserem Gebiet vorzüglich und treffend passt. Bildhauer Thomas Resetarits wurde beauftragt, bis September 1994 die 14 Stationen anzufertigen, was auch künsterisch zur Zufriedenheit aller mustergültig und vortrefflich gelungen ist. Die Zeit für die Fertigungvon 14 Stationen wurde mit großartigem Einsatz unter schwierigen Bedingungen zeitgerecht fertiggestellt. Die letzte der 14 Stationen konnte erst in der Nacht von 12. auf 13. September bis 6.00 Uhr morgens fertiggestellt werden. Am 13. September wurde bereits um 7.00 Uhr früh mit dem Verladen sämtlicher Stationen begonnen. Bei der Errichtung der Kreuzweganlage, hatte die 12. Station, die Kreuzigungsgruppe, große Sorgen und Schwierigkeiten bereitet. Sie konnte mit Gottes Hilfe nach fünf Stunden abgeschlossen werden. Die zweite Frage war die nach den finanziellen Mitteln. Pfarrer Mag. Martin Korpitsch und dem Vorsitzendenstellvertreter Franz Reichardt ist es gelungen, nicht nur die Gläubigen, sondern auch die öffentlichen Stellen für das Projekt zu gewinnen und damit die Finantierung zu sichern. So konnten wir von der Gemeinde Donnerskirchen, der Diözese, der Bgld-Landesregierung und dem Ministerium für Kunst (Künstlerförderung) Zusagen in der Höhe von 50% der Gesamtkosten für die Finanzierung erreichen. Die restlichen 50% Kostenanteil wurde durchen anonyme Spender, die jeweils eine Station übernommen haben, finanziert. Herzlichen Dank allen öffentlichen Stellen für Ihre Bereitschaft und ihr Entgegenkommen, im besonderen aber den Gläubigen, die beigetragen haben, für die Gemeinde Donnerskirchen ein Juwel zu errichten, das Freude und Segen für die Pfarre bringen wird. Am 14. September 1994, am Fest der Kreuzerhöhung, erfolgte die Weihe durch Hochwürden Hrn. Diözesan -Bischof Dr. Paul Iby unter großer Beteiligung. Wir danken dem Herrn für das gelungene Werk.
1.Station: Jesus wird zum Tod verurteilt Jesus steht da als "Ecce homo" (Seht, der Mensch - geschlagen ...). In der säulenhaften Darstellung kommt aber auch seine Würde zum Ausdruck. Pilatus windet sich, um zur Entscheidung zu finden. Dahinter der Jüngling mit der Schale - Zeichen dafür: Ich bin nicht schuldig! Ich will nicht schuld sein! Dann der Wappenvogel: Symbol der weltlichen Macht.
2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern Jesus nimmt das Kreuz an sich - er nimmt das Kreuz "aktiv" an, andererseits sind da Hände, verschiedene Hände, die ihm das Kreuz aufdrängen, aufzwingen. Sie, die Menschen, schieben ihm das Kreuz drauf! Fast auf die gemeine Art! Wir sind es! Es sind unsere Hände!
3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz Aufs Knie fallen mit dem Kreuz! Jesus hat noch Kraft, das Kreuz zu umklammern - fast liebevoll umfasst er es ("süße Last"). Kreuzweg birgt immer auch unseren Lebensweg: Manchmal musst Du das Kreuz liebevoll umarmen, damit Du das Leben ertragen kannst!
4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter Das Antlitz der Mutter Maria und das Antlitz des Sohnes Jesus; die Hände der Mutter über den Händen Jesu - innige Zuwendung und großes Mitfühlen. Im Zueinander der Hände entsteht neuerlich ein Kreuz.
5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen Simon ist mit Jesus mitgegangen und hat das Kreuz getragen - wenigstens ein Stück des Weges. Wichtig ist, das Simon geholfen hat.
6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch Durch den Weg, den Jesus gegangen ist, hat er uns etwas hinterlassen; sein Bild, die wahre Ikone. Er ist vorangegangen, das "Bild" ist für uns Hinterlassenschaft Jesu.
7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz Dominierend ist das Kreuz. die drei Stufen, angedeutet am oberen Ende des Kreuzes, sagen uns: Das Ziel ist noch nicht erreicht. Noch immer nicht: Das Fallen geht weiter! Das Kreuz entgleitet ihm. Jesus scheint entkräftet. Er ist allein.
8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen Zum Kreuztragenden drängen sich Frauen. Sie weinen um ihn und schauen ihn an. Er schaut sie an. Die hockende Frau mit dem Kind: Hier schreit das Elend der Welt! Mütter mit ihren hungrigen Kindern in Ruanda, Afrika. Die Mutter verhüllt das Kind, dass es die Schrecken des Krieges in Srajewo nicht voll brutal erlebt. Die hockende Frau mit dem Kind ist ein Hinweis auf das Elend in der Welt.
9.Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz Jesus fällt sehr tief. Der Kopf ist unten. Fest gebunden an das Kreuz ist Jesus im Niederfallen. Jesus und das Kreuz sind wie ein Stück. In dieser Situation ("ganz unten sein") ist das Aufstehen aus eigener Kraft nicht mehr vorstellbar. Das Kreuz drückt nieder - und das Kreuz ist hier schon Hinweis auf die Auferstehung.
10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt Dem Menschen werden die persönlichen Dinge genommen. Der Soldat reißt die Kleider herunter. Seine Hände sind übergroß herausgearbeitet. Zu sehen sind auch die Würfel: "Die Würfel sind gefallen!"
11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt Mit einem überdimensionalen großen Hammer wird der Herr ans Kreuz genagelt. Der große Hammer steht für alle Folterinstrumente. Auch die schlagende hand ist besonders groß herausgearbeitet: Hinweis auf die Macht, die sich der Mensch nimmt. Dieses Bild ist Zeichen dafür, dass der Mensch den anderen quält. Der Mensch vermag dem Menschen viel anzutun.
12. Station: Jesus stirbt am Kreuz Jesus breitet die Arme aus: Er, der "Jesus" (I) aus "Nazareth" (N), der "König (R) der "Juden" (I) - INRI. Der Herr hängt angenagelt am Holz des Kreuzes, hineingespannt zwischen Himmel und Erde. Maria und Johannes stehen bei dem Kreuz, sie sterben unter dem Kreuz. Auf unserem Bild stehen sie da - "mit dem Kreuz eins geworden". Die Mutter legt die Hand auf die Fußwunden Jesu. Eine wichtige Geste: Zeichen der innigen Verbundenheit. Wie Maria und Johannes sind wir Christen eingeladen, beim Kreuz zu stehen, ja, an das Kreuz heranzukommen. Die zwei Mitgekreuzigten: Der eine, auf der rechten Seite - von Jesus aus gesehen - wendet sich zum Herrn hin; der andere, der auf der linken Seite, bleibt in sich gekehrt. Er ist mit sich allein, einsam, ohne Kontakt! Beiden sind die Gebeine zerbrochen worden.
13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt Hier ist von der normalen "Pieta" -Darstellung abgegangen worden: Mutter und Sohn sind wie eine Figur: Im Tod ich mit dem liebsten Menschen auch verbunden. Das Kopf-an-Kopf-Sein ist Ausdruck dieser Einheit über den Tod hinaus. Eins bleiben mit dem geliebten Menschen!
14. Station: Der heilige Leichnam wird ins Grab gelegt Zu erkennen ist ein Steingrab (sargähnlich). Der Leichnam des Herrn ist verhüllt. Auch sein Antlitz! Der Stein vor dem Grab (der große runde Stein ist angedeutet!) ist bereits offen - Hinweis auf die Auferstehung. Die abstrakte Darstellung der geöffneten Kreise, der brechenden Linien steht im Gegensatz zur Ruhe des Grabes. Der Künstler hat auf der Seite der Pfarrkirche die ruhigen Linien aufgebrochen: Im Gegensatz zur Ruhe des Grabes steht die Spannung neuen Lebens. In der Pfarrkirche wird ja Sonntag für Sonntag in der Messfeier Tod und Auferstehung Jesu Christi begangen.